Interview mit Professore Fulvio Tomasin und Mario Pischedda - Terre di Aquileia, Italien

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TERRE DI AQUILEIA

Interview mit den Bürgermeistern und Initiatoren des Projektes, Professore Fulvio Tomasin, Bürgermeister von Terzo di Aquileia, und Mario Pischedda, Bürgermeister von Villa Vicentina.

Das Interview wurde am 8. Mai 2009 in der Villa Asiola aufgezeichnet.


Professore Fulvio Tomasin (Bürgermeister von Terzo di Aquileia)
Terre di Aquileia, Ein Land - eine Idee


Im Jahre 2007 haben 17 Gemeinden entschieden, zusammen mit Palmanova und Aquileia eine Vereinbarung zur touristischen Förderung der gesamten Gegend zu unterzeichnen. So haben auch kleinere Gemeinde wie Villa Vicentina und Terzo die Möglichkeit, all das publikumswirksam zu präsentieren, was sie zu bieten haben. Zum Beispiel die Villa Asiola, in der wir uns jetzt befinden. Dafür wurde mit Hilfe eines europäischen Programmes Interreg IIIA Italia - Slovenia ein Projekt realisiert, das 2005 gestartet und letztes Jahr abgeschlossen wurde. Das hat uns ermöglicht, auf unserem Gebiet und in Slowenien Events zu veranstalten und eine touristisch-kulturelle Website zu gestalten - www.terrediaquileia.it. Es ist ein grosses Portal mit zirka 12.000 Seiten in vier Sprachen - Italienisch, Slowenisch, Deutsch und Englisch. Auf der Site werden alle interessanten historischen, kulturellen, touristischen und Naturschönheiten des Gebietes präsentiert. Mit allen diesen Daten haben wir Fahrradwege entworfen, die auf vier verschiedenen Themen basieren: Geschichte, Natur, Freizeit und Wasser. Alle diesbezüglichen Informationen können von den Touristen auf der Website gefunden werden. So ist es möglich, seinen Urlaub selbst zu planen, da auf der Site auch sämtliche Infos über Beherbergungsbetriebe, Restaurants und Winzer zu finden sind. Das war sozusagen das Generalprojekt, das unter der Führung der Gemeinde Terzo di Aquileia gestanden ist. Danach ist diese Idee weiterentwickelt worden. Verantwortlich ist nunmehr die Gemeinde Villa Vicentina unter meinem Freund und Kollegen, Bürgermeister Mario Pischedda.


Mario Pischedda (Bürgermeister von Villa Vicentina)
Terre di Aquileia, Die Weiterentwicklung


Die Website terrediaquileia ist eine Datenbasis des Gebietes mit sehr vielen Informationen und einem großen Entwicklungspotential. Die erste Initiative, die aus dem Grundprojekt hervorgegangen ist und die Mitarbeit von 8 Gemeinden sowie eine Mitfinanzierung der Region vorsieht, ist, einen Fahrradtourismus in Terre di Aquileia zu entwickeln. Dafür haben wir viele so genannte Strukturen und Institutionen mit einbezogen um einen möglichst hohen Identifikationsgrad mit dem Projekt zu erreichen. Das Land Friaul Julisch Venetien, die Provinz Udine, die acht Gemeinden, das friulanische Fremdenverkehrsamt und private Gastro- und Tourismusunternehmungen, ohne die die Realisierung der Initiative unmöglich gewesen wäre. Wir haben vorerst vier Fahrradwege gestaltet, die das ganze Gebiet durchqueren. Die Strukturen, die an diesem Projekt teilnehmen - zur Zeit sind es 24 - werden mit Fahrrädern ausgestattet, die die Touristen ebenso gratis leihen können wie die GPS-Navigatoren in denen die vier Strecken eingespeichert sind. So können die Touristen die vorgegebenen Routen auch verlassen und finden wieder problemlos den Weg zurück. Der Fahrradcomputer erklärt auch alles was man auf dem Weg findet wie Kirchen, Denkmäler, Naturschutzgebiete oder historische Highlights. Die Informationen können in Zukunft beliebig erweitert werden. Während der Tourist also Rad fährt bekommt er nebenbei sämtliche Informationen punktgenau geliefert. Das ist kurz gefasst die Idee, die jetzt realisiert wird. Zur Zeit werden die Fahrräder und Navigatoren ausgeliefert. Wir müssen noch alle Wege beschildern, doch ich denke, dass im Juni alles fertig sein wird. So werden die Touristen, die uns im Sommer besuchen, in den Terre di Aquileia Spaß haben und neben Grado und Lignano auch eine andere Ecke unseres Landes entdecken.


Mario Pischedda (Bürgermeister von Villa Vicentina)
Terre di Aquileia, Warum Radtourismus?


Also sagen wir, dass wir an Fahrradtourismus gedacht haben, weil sich das Gebiet sehr gut dazu eignet. Für jüngere wie für ältere Leute, für Kinder und Familien, denn die Radwege sind eben und leicht mit dem Rad befahrbar. Wir haben viele Fahrradwege, also sichere Strecken und mit diesem Projekt geben wir den einzelnen Touristen sowohl die Möglichkeit, einen der vier Wege entlang zu radeln - mit all den Infos zu den wichtigsten Stellen der Routen - als auch die Freiheit, dahin zu fahren wo sie wollen. Ich denke an Touristen, die die Gegend nicht kennen, mit dem Navigator ein Stück der von uns vorgegebenen Strecken radeln, dann aber etwas interessantes sehen und dorthin abbiegen möchten. Das können sie ruhig machen, denn der Navigator wird dem Benutzer immer wieder helfen die Hauptstrecke zu erreichen, oder darüber zu informieren wo er sich gerade befindet oder zu zeigen wohin er am Anfang fahren wollte. Wichtig ist, dass wir um dieses Projekt zu promoten und es den Touristen zur Kenntnis zu bringen mit dem friulanischen Fremdenverkehrsamt eine Kooperation vereinbart haben. TurismoFVG  hat hierfür einen Club di Prodotto geschaffen. Das bedeutet, dass die 24 Strukturen, die an diesem Projekt teilnehmen in einer Broschüre aufgelistet werden, die auf Messen und an Reiseagenturen verteilt werden. So erfahren interessierte Leute, was es für Angebote gibt und wie sie dazu kommen.


Professore Fulvio Tomasin (Bürgermeister von Terzo di Aquileia)
Terre di Aquileia, Zukunftsperspektiven


Im Mittelpunkt steht das Fahrrad, wie der Kollege Mario schon gesagt hat. Um dieses Thema spielt sich die Miteinbeziehung des ganzen Gebiets ab und es besteht die Möglichkeit die Datenbasis von Terre di Aquileia ständig zu erneuern und zu erweitern. Eine zukünftige Weiterentwicklung des Projekts könnte die Schulen fokussieren, sodass sowohl unsere als auch die anderen europäischen Schulen das Wissen über dieses Gebiet vertiefen könnten. Der Projektentwicklung sind keine Grenzen gesetzt. Im Mittelpunkt steht immer das Fahrrad und die Kultur. Langsam geht man auch hier in Italien daran, Fahrradwege zu entwickeln. Die Wege als solche gebe es ja eigentlich und es wird jetzt schon darüber nachgedacht, die Strecke Kärnten Grado, also die alte Via Julia Augusta als Fahrradweg auszubauen. Ich weiß, dass in Kärnten die Aktivierung dieses historischen Weges schon entwickelt wird und es keimt die Idee, diesen auch auf italienischer Seite zu aktivieren. Was für uns besonders wichtig ist und was auch schon fast fertig gestellt ist, ist der Teil des Fahrradweges Alpe Adria, der Palmanova direkt mit Grado verbindet. Das ist die Hauptverbindung unter allen Fahrradwegen die wir genannt haben und dadurch gewinnt das Radfahren auch hier sehr an Bedeutung. In Österreich ist die Fahrradkultur schon hoch entwickelt. Es gibt viele Radwege und Möglichkeiten, Bahn und Fahrradfahren zu kombinieren. Es bestehen aber auch hier alle Voraussetzungen um dieses Fahrradprojekt weiter zu entwickeln. Noch gibt es aber viel zu tun. Es gilt weitere Partner zu finden, sodass das Fahrrad ein starkes Instrument zur Promotion unserer Gegend auf europäischer Ebene werden kann. Zur Zeit haben wir aber auch andere Projekte am Laufen. Ich glaube Bürgermeister Mario Pischedda kann das erläutern.


Mario Pischedda (Bürgermeister von Villa Vicentina)
Terre di Aquileia, Ökomuseum

Unser nächster Schritt nach dem Radtourismus-Projekt ist die Gründung eines Ökomuseums von Terre di Aquileia. Was ist ein Ökomuseum? Die Daten, die auf der Website vorhanden sind, also die wichtigsten Daten dieses Gebietes - das Webportal ist ja der Ausgangspunkt aller Aktivitäten - informieren den Besucher genau über alle Highlights dieser Gegend. Wir werden hingegen auf dieser Basis die Möglichkeit haben neue Initiativen zu entwickeln und das Gebiet zu promoten. Und zwar auf der Grundlage dieses Schemas des Ökotourismus, das nichts anders ist als eines Sammlung von Daten über dieses 
Territorium zur Förderung der Unternehmen und Strukturen und zur Information der Menschen.


Professore Fulvio Tomasin (Bürgermeister von Terzo di Aquileia)
Terre di Aquileia, von der Antike ins Internet


Vor einigen Jahren fiel uns auf, dass nur Aquileia und Palmanova als Tourismusstädte bezeichnet wurden, während das Gebiet um diese Zentren scheinbar nichts mit Tourismus zu tun hatte. Wir haben aber gesehen, dass, wenn man es nur richtig anpackt, das internationale Image von Aquileia und Palmanova genützt werden könnte, auch das Land daneben zu promoten. Deshalb haben alle Gemeinden um Palmanova und Aquileia die Kräfte gebündelt und das große Projekt Terre di Aquileia geschaffen. Wir sind uns sicher, dass dies in der Zukunft eine Marke zur Identifizierung des Gebiets werden wird und aller Produkte, die diese Gegend mit rund 50.000 Einwohnern erzeugt. Wir möchten natürlich unsere Website weiter promoten. Wenn man bedenkt, dass, obwohl noch nicht so viel Werbung gemacht wurde, die Website täglich schon 1.800 bis 2.000 Zugriffe zählt, ist das ein unmittelbarer Effekt aus dem weltbekannten Namen von Aquileia, von dem nicht nur Aquileia selbst, sondern auch das ganze Umland profitieren kann. Die Gemeinde und der Bürgermeister von Aquileia sind damit voll einverstanden und so ist auch die gute Zusammenarbeit zwischen den Bürgermeistern aller beteiligten Gemeinden entstanden. Wir hoffen, dass es in Zukunft zu einem einzigen großen Gebiet kommen wird, dass unter dem Namen Terre di Aquileia den Tourismus gemeinsam promotet.
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