Liparische Inseln, Italien

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Die Liparischen Inseln, auch unter der Bezeichnung Äolische Inseln bekannt, sind eine vulkanische Inselgruppe im Thyrrhenischen Meer im Norden Siziliens.

Peter Brandl hat diese Naturschönheiten im November 2010 besucht und ein Reisetagebuch verfasst.

Lipari by Peter Brandl

Sonntag, 7. November: Tag 1

Impressionen auf Lipari / Zum Vergrößern auf das Bild klickenNach einem guten Frühstück auf einer sonnendurchfluteten Terrasse geht es ins Zentrum von Lipari. Radfahren ist hier eher nicht angesagt. Es gibt sehr viele Treppen, Stiegen und es geht nahezu immer bergauf oder bergab. Ein Spaziergang durch die Fußgängerzone sollte im Normalfall wenig problematisch sein - jedoch nicht auf Lipari und am Sonntag. Offensichtlich ist sonntags die Area pedonale für den normalen Autoverkehr freigegeben! Um dem Verkehr zu entfliehen geht es unzählige Treppen rauf zum Archäologischen Park mit angeschlossenem Museum. Viele alte Steine! Mittags kurze Rast bei einem Campari Orange, der in typisch italienischer Manier mit frischen Oliven, Erdnüssen und Kartoffelchips serviert wird. Klasse! Weil wir noch einen zweiten ordern, gibt`s als Draufgabe gleich ein paar Bruschette.

Enge Gassen auf Lipari / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDanach geht`s auf eine Inselrundfahrt mit Silvio. Silvio ist 72 und betreibt sein Taxi seit 48 Jahren! Liebevoll erklärt er uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und gibt uns eine Einführung in die überaus üppige Vegetation auf der Insel. Umsichtig steuert er uns über steile Bergstraßen zu den verschiedensten Stränden mit kristallklarem, türkisem Wasser, zeigt uns Tuffsteinabbau, erklärt den äolischen Baustil und stoppt immer wieder, damit wir alles auch fotografisch festhalten können. Am Abend geht es ins beste Restaurant der Insel, ins Filippino, das erst kürzlich im Oktober seinen 100. Geburtstag feiern durfte.

Montag, 08. November : Tag 2

Nach einem zu üppigen Abendessen im Filippino mit anschließendem Mega-Völlegefühl und damit verbunden mit einer unruhigen Nacht, geht es sehr zeitig am Morgen los. Frühstück ist nebensächlich, zunächst eben wegen Filippino und dann auch noch wegen dem Zeitdruck.

Zitronenbaum auf Stromboli / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDas Aliscafi startet bereits um 08:20 Richtung Stromboli. Durch zeitweise ziemlich aufgewühlte See - was für ein Tragflügelboot jedoch kein Problem darzustellen scheint - und mit Zwischenstopps in Vulcano, Salina und Panarea, erreichen wir nach ca. 1 1/2 Stunden Fahrt die Vulkaninsel Stromboli. Am Hafen werden wir sofort von umtriebigen Einheimischen empfangen, die einiges zu bieten haben. Angefangen bei der privaten Inselrundfahrt bis hin zur Übernachtung, weil sich das Wetter ohnehin verschlechtern würde und der Fährbetrieb eingestellt werden müßte. Wir lehnen dankend ab und machen uns auf eigene Faust auf den Weg. Die Insel wirkt ziemlich ausgestorben, natürlich ist die Tourismussaison längst vorbei. Auf dem Weg ins Centro hören wir erstmals das laute Grollen des Vulkans. Vorbei an Zitronenbäumen und an einem Bananenstrauch mit echten Früchten führt unser Weg durch engste Gässchen ins Zentrum. Es gibt keine Autos in Stromboli, es wäre auch gar kein Platz dafür. Die Gassen sind derart schmal, dass man gerade mal mit dem für die äolischen Inseln typischen Piaggio, einem bei uns üblichen Golf Cart oder eben einem Motorroller passieren kann. Der Vulkan begleitet uns ständig in unregelmäßigen Abständen mit seinem Grollen in unterschiedlicher Stärke. Mit jedem "Rülpser" stößt er eine Schwefelwolke in verschiedensten Dimensionen aus. Schon sehr beeindruckend.

Nachdem sich das Wetter zusehends verschlechtert und immer stärkerer Wind aufkommt, wandern wir zurück zum Hafen, um eine frühere Fähre zurück zu bekommen. Am Hafen stellen wir fest, daß eine Fähre bereits ausgefallen ist, jedoch um 15:40 die nächste fahren sollte. Gebucht hatten wir unsere Rückfahrt für 17:35 Uhr bei einer anderen Gesellschaft. Der Austausch der Tickets stellte trotz unterschiedlicher Anbieter überraschend kein Problem dar.

Die restliche Zeit auf Stromboli verbrachten wir sehr kurzweilig mit einem ausgedehnten Spaziergang am Fusse des Vulkans. Es ging durch sehr, sehr schöne Ansiedlungen und auch der schwarze Lava-Sandstrand war mehr als beeindruckend. Bei der Rückfahrt wurde das Meer immer unruhiger und es gab ordentlichen Wellengang. Aber wie schon erwähnt, ein Tragflügelboot scheint mit den Wellen zu spielen und manchmal scheint es, als ob man einfach darüber hinweg segeln würde. Zurück in Lipari ging´s zur Belohnung in die "Stammkneipe" - wo wir sofort wiedererkannt und herzlich begrüßt wurden. 2 Campari waren schnell geschlürft, dann ging es wegen der zunehmenden Kühle zurück ins Hotel.

Dienstag, 9. November: Tag 3

Strand von Canneto / Zum Vergrößern auf das Bild klickenHeute wird wieder ausgiebiger gefrühstückt, da das Wetter nicht allzu gut aussieht. Es ist ziemlich frisch und es bläst ein knackiger Wind. Deshalb beschliessen wir, in Lipari zu bleiben. Doch dieser Entschluss wird schon bald über Bord geworfen. Wir steigen in einen Linienbus und lassen uns in den nördlichen Teil von Lipari, nach Canneto bringen. Canneto ist die zweitgrößte Siedlung der Insel und laut Reiseführer nicht direkt eine Schönheit. Stimmt! Aber: In Canneto angekommen, hat sich der Wind gelegt und es herrscht strahlender Sonnenschein mit nahezu unglaublichen 28 Grad! Zur Erinnerung, wir schreiben den 09. November! Die tatsächlich nicht wirkliche Schönheit ist schnell durchwandert und dann geht`s ans Meer. Es ist fast wie Sommer, man könnte sich durchaus in die Sonne legen und braten lassen. Tun wir aber nicht, denn nachdem die Akkus wieder aufgeladen sind, geht`s zurück nach Lipari.

Von der Sonne ein wenig träge, fällt uns nichts besseres ein, als in unsere "Stammkneipe" zu trippeln. Dieses wunderbare Kleinod italienischer Gastlichkeit hört auf den Namen "Bar Alta Marea". Die Besitzer begrüßen uns herzlich, die Dame des Hauses Luisa erzählt sogar, sie habe uns heute in Canneto gesehen. Hier ist man eben schnell mittendrin statt nur dabei. Auch viele der weiteren Gäste, sehen wir hier nicht zum erstenmal. Vornehmlich Fischer, die nach einem anstrengenden Arbeitstag hier über Gott und die Welt schwadronieren. Die Bar liegt in unmittelbarer Nähe zum Hafen auf einer mittelgroßen Piazza, die Treffpunkt für die Männer Liparis sein dürfte. Überhaupt fällt das völlig entspannte, unkomplizierte Miteinander immer mehr auf. Menschen, Hunde, Katzen, alle leben auf der Straße. In unseren Breiten vollkommen undenkbar; vielmehr würden Schreikrämpfe und erboste Hupduelle bei uns auf der Tagesordnung stehen. Nicht jedoch auf Lipari. Gisella und Aldo Ardizzone schreiben in ihrem Buch: "Wir haben einen Platz gesucht, wo man noch ein ruhiges Leben führen kann, ohne Chaos und heulende Sirenen, ohne Autostaus und Schlangenstehen vor den Ampeln, ohne wütende Leute. Wir suchten einen Ort, wo man dem anderen noch zulächelt anstatt Angst vor ihm zu haben, wo man sich auch noch ausserhalb der eigenen Haustür heimisch fühlt. Wir suchten die Sonne und das Meer, frische Luft und Ruhe. All das, um weiterhin wir selbst zu sein. Da sind wir zu fernen Ländern aufgebrochen, haben uns alles angeschaut und ausprobiert, bis sich am Ende unser Wunsch nach Exotik erfüllt hat. Und nun ratet mal wo? Ganz in der Nähe, im Archipel der äolischen Inseln!"
Besser kann man es gar nicht ausdrücken.

Noch ein Satz zum Service in der Bar Alta Marea: Wir haben auch heute wieder 2 Campari Orange bestellt. Als Standard - wie wir mittlerweile wissen - bekommt man automatisch ein Schälchen Chips, ein Schälchen Erdnüsse und ein Schälchen mit frischen Oliven dazu. Die Camparis schmecken ausgezeichnet, also bestellen wir dasselbe noch einmal. Diesmal gibt es ein Schälchen mit italienischer Wurst und ein Schälchen mit italienischem Käse dazu. Damit nicht genug: Plötzlich steht der Patron mit einem Teller Bruschette vor uns, fragt auch noch, ob es uns nicht stört, dass die Hälfte der Bruschette mit Knoblauch ist! Eigentlich unglaublich. Nach kurzweiligen 2 Stunden - wir beobachteten vornehmlich die Fischer, wie sie ein neues Netz bastelten - ging´s ans Zahlen. 4 Campari Orange und 1 Flasche Mineralwasser, macht zusammen Euro 25,60. Ich reiche einen 20 Euroschein und zwei 5 Euroscheine, worauf mir der Chef des Hauses einen 5er zurück gibt und lapidar sagt: passt schon. Das ist mir fast schon peinlich und so verspreche ich ihm, morgen wieder zu kommen.

Fazit: 1 Campari Orange kostet Euro 6,-- du bekommst aber unbezahlbare Gastfreundlichkeit dazu. Grandios!

Mittwoch, 10. November: Tag 4

Schwarzer Strand auf Stromboli / Zum Vergrößern auf das Bild klickenHeute steht Vulcano am Programm. Voller Vorfreude machen wir uns am späten Vormittag auf den Weg. Nach einer ca. 15 minütigen Fahrt mit dem Aliscafi erreichen wir die Vulkaninsel. Sofort steigt uns der üble Schwefelgeruch in die Nase. Aber davor wurden wir ohnehin gewarnt. Überraschend gibt es bei der Ankunft keine Einheimischen, die alle möglichen Dienstleistungen, wie Inselrundfahrt, Vulkanbesteigung, Übernachtung, Taxi etc., anzubieten haben. Vorerst denken wir uns nichts dabei und machen uns auf den Weg; wird wohl schon irgendwie alles auf eigene Faust zu erkunden sein.

Aber denkste, alles chiuso! Eine einzige Bar hat geöffnet, doch dort erfahren wir auch nicht mehr. Kein Autoverleih, kein Rollerverleih, kein Fahrradverleih, kein gar nichts - tutto chiuso. So machen wir uns eben auf den Weg um zumindest den kleinen Vulcanello zu erklimmen. Aber auch das wird uns verwehrt, geht nur mit Führer und Führer gibt es keine - die Saison ist schon lange vorbei. Ziemlich verdrossen spazieren wir im Örtchen herum bis wir durch Zufall auf einen Autobus stossen. Hurra, das ist die Lösung. Der Fahrer wird kurz gefragt wohin er fährt, nach Gelso oder nach Piano? Er fährt auf das Plateau nach Piano und wir sind dabei. Bereits nach 10 minütiger Fahrt entlang des Vulkans erreichen wir die Hochebene. An einer Straßenkreuzung, wo weit und breit keine Bushaltestelle zu sehen ist, setzt uns der Fahrer ab und erklärt uns, um 16:15 Uhr wieder genau hier zu sein. Es ist jetzt 13:10 Uhr, d.h. wir haben ca. 3 Stunden um das Hochplateau zu erkunden. Auf Anraten des Buschauffeurs machen wir aus auf den Weg zu einer Aussichtsstelle, von wo aus man auf Sizilien und das Festland hinunterschauen kann. Das war`s aber dann auch schon. Alles landschaftlich sehr schön, aber sonst ist nichts hier - absolute Ruhe. Die Zeit zieht sich wie Kaugummi und es erscheint uns wie eine Ewigkeit bis es endlich 16:15 ist und der Bus uns wieder aufnimmt.

Poträt Peter Brandl / Zum Vergrößern auf das Bild klickenAb geht es wieder ans Meer, um 17:45 Uhr fährt unser Schiff wieder zurück nach Lipari. Nachdem wir am Hafen in der einzig geöffneten Kneipe eine weitere, gute Stunde totschlagen, machen wir uns auf den Weg zur Anlegestelle. Wir warten nicht lange, bis ein Mann auf uns zukommt und uns mitteilt, dass dieses Schiff heute nicht mehr fährt. Wir sollten in die Agentur gehen und die Tickets zurückgeben! Im Büro von Siremar gibt`s nur die lapidare Auskunft, heute fahre kein Schiff mehr nach Lipari, wir mögen zur anderen Linie USTICA gehen. Ohne irgendeine Entschuldigung gibt uns die junge Dame den Fahrpreis retour und damit basta. Mittlerweile haben wir schon Sorge, gar nicht von der Insel zu kommen - was dann? Alle Hotels und Pensionen sind geschlossen!! Aber wir haben Glück. USTICA LINES fahren zwar mit etwas Verspätung, aber immerhin verlassen wir um 19:15 Uhr die Insel. Jetzt kann nur noch ein Campari Orange in der Bar Alta Marea unseren Tag retten.

Als wir knapp vor 20:00 Uhr auf der Piazza ankommen, sind die Besitzer der Bar gerade dabei, die Schotten dicht zu machen. Heute geht wohl alles daneben. Doch weit gefehlt: Die Besitzerin lässt es sich nicht nehmen uns trotz Sperrstunde 2 Camparis mit den üblichen "Beilagen" zu kredenzen. Sie müsse aber davoneilen und wir sollen die Gläser und das restliche Geschirr einfach im Wettbüro neben der Bar abgeben. Sperrt zu, plaudert noch angeregt mit uns, eilt dann davon und lässt uns in ihrem Garten einen Campari schlürfen. Wir sind beide ob soviel Gastfreundschaft perplex und schwören, morgen wiederzukommen.

Donnerstag, 11. November: Tag 5

Wanderweg auf Salina / Zum Vergrößern auf das Bild klickenHeute führt uns das Aliscafi auf die zweitgrößte Insel des Archipels nach Salina. Salina ist die Insel für Naturliebhaber und Wanderer, da es hier kaum Badestrände gibt. Dafür bietet Salina aber ein ausgedehntes Netz an Wanderwegen und viele wilde Steilküsten. Berühmt ist der Wein der Insel, der honiggelbe Malvasia. Leider fährt unser Boot nur den Hafen von Rinella an und nicht den der wesentlich belebteren "heimlichen" Hauptstadt Salina`s Santa Marina. Schon nach kurzer Zeit stellen wir fest, hier ist absolut nichts los, keine Geschäfte, gerade mal eine nicht wirklich einladende Bar. Tja, es ist November. So entschliessen wir uns mit dem Autobus ins "Oberdorf" von Rinella, nach Leni zu fahren. Doch auch hier herrscht Ruhe allerorts.

Um wenigstens irgendeine Aktivität an den Tag zu legen, wählen wir unsere eigenen Beine für den Rückweg. Über unzählige Treppen führt ein recht steiler Weg zurück nach Rinella. Dort entdecke ich ein Schild "Spiaggia", dem wir auch prompt folgen. Sind schon neugierig wo es hier einen Strand geben soll. Nach langer Wanderung bergauf und bergab erreichen wir das Ziel. Doch von einem Strand keine Spur, im Gegenteil Steilküste und tosendes Meer. Der Weg dorthin ist jedoch jeden einzelnen Meter wert, sehr schön ausgebaut und am Abend sogar beleuchtet. Am Weg entlang gibt es viele Olivenbäume und Rosmarinsträucher in einer bisher nicht gesehenen Größe. Das Wetter verschlechtert sich erstmals wirklich, es kommt immer mehr Wind auf und beginnt auch leicht zu regnen. Die Rückfahrt nach Lipari gestaltet sich zu einem wilden Rodeoritt in der aufgewühlten See.

Freitag, 12.November: Tag 6

Wir bleiben in Lipari und vertrödeln den Tag mit Müßiggang. Unsere Lieblingsbar hat auch geschlossen, also machen wir ein paar Besorgungen. Am Abend regnet es ziemlich stark, jedoch nur für kurze Zeit.

Samstag, 13. November: Tag 7

Wir geben Salina noch eine Chance, diesmal fahren wir jedoch nach Santa Marina. Hier ist es schon etwas besser, aber wirklich los ist auch nichts. Alle Geschäfte sind geschlossen, lediglich eine Bar hat geöffnet. Wo man hier baden könnte - ausser auf Steinen - ist uns auch ein Rätsel. Trotzdem hat Salina etwas, was man nur ganz selten finden wird. Hier kann man in aller Ruhe zu sich selbst finden und sich wieder einmal richtig erden. Nicht umsonst wird diese Insel als die mit der üppigsten Vegetation gepriesen.

Peter Brandl for 55PLUS Medien © MMX

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